Sodale, der Webmaster ist zurück, wir freün uns, und auch ich bin wieder zurück in meiner kleinen Stadt. Nachdem ich einen kleinen 4 Wochen Abstecher nach Österreich unternommen habe befinde ich mich seit knapp einem Monat wieder in Kongoussi. Und es ist schön wieder zurück zu kommen, obwohl Wien war eine richtige Wohltat war . Das Essen, Freunde und Familie, der Luxus,…aber das Leben ist dort, wenn man sich einmal an Afrika gewöhnt hat, sehr stressig. Als ich in Wien gelandet bin sind die Leute beim aussteigen an mir vorbei gezogen. Manche haben sich zwischen anderen Passagieren vorbeigezwängt, schnell ein „t´schuldigung“ beigefügt und waren weg. Wo treffe ich sie dann wieder? Klar, beim warten auf ihr Gepäck…Das Leben in Europa geht schnell, oft unnötig schnell.
Als ich ankam wurde ich am Flughafen abgeholt und ab gings von der Hauptstadt nach Kongoussi. Nichts war überschwemmt, ich war erstaunt. Noch in Österreich habe ich erschreckende Bilder gesehen. In der Region Bam war es trocken. Die Hirsefelder waren beeindruckend. 3-3.50 Meter hoch und ein schönes saftiges Grün. Es verspricht eine gute Ernte zu werden, wurde mir erzählt. Es fehlt nur noch ein letztes Mal ordentlich Regen und die ganze harte Arbeit würde sich auszahlen. Das muss man sich vorstellen. Ganze Regionen stehen unter Wasser, sodass nur mehr ein Zipfel vom Strohdach hervorsteht, die ganze Ernte ist zerstört und tausende Menschen haben alles verloren,….und hier hofft man auf einen letzten ordentlichen Regenfall um nicht auch noch vor dem Nichts zu stehen. Viele Monate schwerster Arbeit unter der brennenden Sonne und entweder alles ist jetzt durch die Überschwemmungen verloren oder man hofft auf Regen…Um es kurz zu machen: der hiesige notwendige Regen ist nicht gekommen. Die schönen grünen, hohen Hirsefelder sehen jetzt jämmerlich aus. Vertrocknet, ein ausgeblichenes Grün und hängende Köpfe. Die Menschen haben schwer gearbeitet und wofür? Um zu überleben! Hier geht es nicht darum die Ernte zu verkaufen, sondern die Existenz der Großfamilie zu sichern.
Ich habe mich ein wenig umgehört und es schaut wirklich katastrophal aus. Die meisten Baürn, die ernten was es zu ernten gibt, werden das bisschen was zusammen kommt in den nächsten Monaten verbrauchen. Dann müssen sie wohl Hirse kaufen. In der Regel kostet ein Hirsesack rund 8000 f cfa, das entspricht ca. 12 Euro. Befürchtet werden Preise von bis zu 25 000 f cfa, rund 38 Euro. Es ist erschreckend, dass die Menschen hier ihre tägliche Arbeit verrichten, anschließend vom Klima benachteiligt, und zuletzt auf Hilfe von Außerhalb angewiesen sind. Und dabei hoffen sie nicht auf Luxusgüter sondern auf das Normalste der Welt: Essen!
Viele haben mich natürlich nach meinem Aufenthalt ausgefragt. Was erzählt man darüber? Wahnsinns Essen, Kino oder Fortgehen am Abend, Luxus ohne Ende?
Wenigstens habe ich im Gepäck ein paar Geschenke für meine Lehrlinge und ein paar Kinder dabei gehabt. Nachdem die Geschenkstunde vorüber war, musste ich im Atelier wieder ein wenig strenger werden. Das Material lag durcheinander und die Arbeit wurde wieder ein wenig schlampiger. Aber, und das ist die Hauptsache, wir haben Arbeit. Die Maschinen laufen den ganzen Tag auf Hochtouren und am Abend gibt’s wieder jeden Tag Theorieunterricht. Nachdem allerdings die Unterschiede unter den Lehrlingen sehr groß sind ist es immer wieder eine neü Herausforderung. Manche haben ein paar Jahre eine Schule besucht manche gar nicht, andere sprechen kein oder nur schlechtes Französisch. Vielleicht macht der Unterricht wegen des leichten Chaos immer so viel Spaß. Tja und somit endet unser Tag gegen 19 Uhr und die Lehrlinge treten ihre Heimreise an.
Gestern war noch eine mini Feier. Bin jetzt seit genau einem Jahr in Afrika. Die Zeit vergeht…
|